"Wie bei Romeo und Julia!"

Wir bringen Humor und Lebensfreude - egal was passiert! So unsicher die Zeiten auch sind. Wir sind für unsere Langzeitpatientinnen und -patienten da und tun alles dafür, um ihnen Kraft zum Durchhalten zu schenken. Selbst wenn wir dafür ganz hoch hinauf müssen ... Karin Nagele als Clownin Aloisia berichtet über einen außergewöhnlichen Clownbesuch in luftigen Höhen:

„Du musst stark sein“, erklärt mir Krishma vor einigen Wochen am Telefon. Das berührt mich sehr. Krishma ist eine tapfere, lebensfrohe junge Dame. Sie ist auf einen Rollstuhl und viel fremde Hilfe angewiesen. Und eben sie spricht diese Worte, die mich so bewegen. Eine bemerkenswerte Aussage, zumal nicht ich es bin, die von Geburt an sehr viel Zeit in diversen Krankenhäusern und Spezialkliniken verbracht hat und unzählige Operationen über sich ergehen lassen musste. Die auch jetzt in einer Pflegeeinrichtung lebt und wohl zeitlebens auf fremde Hilfe angewiesen sein wird. Eine junge Frau, die seit vielen Monaten auf Besuch verzichten muss, kaum Kontakt zu Gleichaltrigen hat und ihre Familie sowie Freunde schon lange nicht mehr gesehen hat.

„Das ist halt so, mit den Problemen dieser Zeit müssen wir alle leben lernen“, meint Krishma, die als Frohnatur beschrieben werden kann. Wenn nicht gerade Therapien oder Behandlungen anstehen, nutzt sie ihre Zeit sehr gern dazu Musik zu hören. Neben Robbie Williams, DJ Ötzi und Nik P. bevorzugt Krishma Musik aus Indien, der Heimat ihrer Familie.

Mit Filmen kennt sich Krishma ebenfalls sehr gut aus. Mal darf es ein Krimi sein, mal ein Liebesfilm, je nach Tagesverfassung. Daher ist ihr gleich klar, was Clown Ernst von ihr möchte, als er freudig strahlend mit einem Blumenstrauß in der Hand vor ihrem Fenster im zweiten Stock schwebt. Doch wie kann das sein? Er steht auf einer Hebebühne!

„Ich habe fast den Eindruck, dass sich Ernst ein bisschen in mich verliebt hat“, kichert Krishma, die wöchentlich von ROTE NASEN Clowns auch online besucht wird. Mittlerweile kennt sie alle regionalen Clowns, geht mit ihnen online durch dick und dünn, mal auf den Berg oder sogar in den Wald. „Dass Ernst persönlich und noch dazu mit Blumen kommt, ist natürlich eine besondere Ehre“, freut sich die junge Dame. Dabei verschweigt sie galant ein interessantes Detail: Der liebe Clown Ernst, Meister des gereimten Wortes, war nämlich insgesamt zweimal mit der Hebebühne vor Krishmas Zimmerfenster. Beide Male brachte er Blumen. „Doch beim ersten Mal nahm er sie dann auch wieder mit, einfach so“, hält sich Krishma vor Lachen den Bauch. „Aber zum Glück hat Aloisia, die die Hebebühne gesteuert hat, diesem Rosenkavalier dann ordentlich die Meinung gesagt“, verrät Krishma keck.

So kehrt Clown Ernst also einige Wochen nach seinem missglückten Besuch erneut zurück. Ich, Clownin Aloisia, kutschiere ihn mit der Hebebühne zu Krishmas Fenster und diesmal funktioniert alles. Clown Ernst hat sich sogar ein Schneemannkostüm angezogen, um besonders fesch und winterlich auszusehen. Stolz überreicht er Krishma den Blumenstrauß, der sogleich in einer Vase neben ihrem Bett aufgestellt wird. Das entsprechende Gedicht darf dabei natürlich nicht fehlen. „Das ist fast so romantisch wie bei Romeo und Julia, aber dieses Mal mit Happy End“, meint eine Krankenschwester, die die Szenerie beobachtet, sichtlich amüsiert.

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