Geschichten vom Clown-Fux Klaus #9

29.April 2020
  • Geschichten vom Clown-Fux Klaus

Kapitel 9: Aloisias neue Frisur

Als Aloisia neulich in den Spiegel sah, schmunzelte sie nur und meinte, dass sie wie ein zerrupftes Huhn aussehen würde. „Zerrupftes Huhn?“, wiederholte unser Hauskater und blickte wiederum mich, den Clown-Fux Klaus, fragend an. Laut unseren Erfahrungen sehen zerrupfte Hühner irgendwie ganz anders aus als Aloisia an diesem Morgen. „Bei den Haaren, meine ich. Ich kann kämmen, wie ich will und bringe keine Frisur zusammen“, klärte uns Aloisia auf. Ja, da hatte Aloisia Recht, Frisur konnte man das wirklich nicht mehr nennen, was sich da auf ihrem Kopf befand. Es sah eher aus wie das Nest einer Nebelkrähe.

Die 256, 874 oder 1093 dünnen Haare, die auf Aloisias Kopf noch wohnen und normalerweise immer schön niedergebürstet und mit Seitenscheitel versehen werden, standen an diesem Tag kreuz und quer. Jedes Mal, wenn Aloisia mit ihrer Bürste, mit der sie übrigens früher daheim am Bauernhof die Kühe gestriegelt hat, über diese wilden Haarbüschel fuhr, legen sie sich nur kurz hin, um zwei Sekunden später wieder in dieselbe Richtung zu stehen.

„Mhhm, was mache ich jetzt bloß?“, überlegte Aloisia mit gerunzelter Stirn, da ja der traditionelle Haarschnitt an Ostern heuer leider ausfallen musste. Zu Weihnachten durfte unsere Friseurin Margit noch Haare schneiden, aber an Ostern konnte Aloisia nur selbst schneiden. Also, soll heißen, sie schnitt sich die Zehennägel, aber halt nicht die Haare. Unser Hauskater und ich, der Clown-Fux, bekamen ebenso die Krallen gezwickt und das Fell gebürstet, sodass wir beide regelrecht fesch beisammen waren. Aber Aloisia…

„Wann darf denn Friseurin Margit wieder zu uns kommen?“, überlegten unser Hauskater und ich intensiv. Der Kater glaubte etwas in seiner Zeitung, in der neuesten Ausgabe vom „Pfoten-Abdruck“ gelesen zu haben, dass alle Friseurgeschäfte bald wieder öffnen dürfen, aber wann genau wusste er auch nicht. „Irgendwas mit „i“ drin. Ein Monat mit „i“ war das“, erinnerte sich der Hauskater. Was konnte er damit gemeint haben? „Ich glaube, Juni oder Juli oder gar erst nächsten April, also April im nächsten Jahr“, war sich der Hauskater nun sicher und ich, der Clown-Fux Klaus, entsetzt.

Wenn Aloisia erst nächsten April wieder zu Friseurin Margit gehen darf, sieht sie ja aus wie ein Busch! Und höchstwahrscheinlich sieht sie gar nichts mehr, weil die Haare schon über die Augen gewachsen sein werden. „Nein, das werden wir verhindern!“, beschloss ich Kraft meines Clown-Fux-Amtes. „Wir beide werden Aloisia die Haare schneiden, damit sie wieder ganz fesch und hübsch ist“, ordnete ich an und dem Kater blieb das Katzenmaul weit offen stehen. „Wie, bitte, willst du das anstellen?“, fragte unser Hauskater ganz verdutzt, und ich flüsterte ihm meinen Plan ins Ohr. Er grinste bis über beide Katerohren und gratulierte mir zu meiner hervorragenden Idee.

Als Aloisia am Abend in ihrem Lesesessel saß, und wie immer, schlief und laut schnarchte, anstatt zu lesen, holte unser Hauskater die Emaille-Schüssel, in der Aloisia sonst Reindling und anderes, schmackhaftes Germgebäck bäckt. Diese Emaille-Form darf nur für Germteig für das Backen von Reindlingen verwendet werden und wird daher stets ganz gut versteckt! Glücklicherweise sieht unser Hauskater alles und wusste daher, wo die Form war. Im Schrank mit Aloisias Nachthemden, ganz hinten drin.

Unser Hauskater setzte Aloisia also die Reindling-Form ganz vorsichtig auf, ohne sie aufzuwecken, und ich, der Clown-Fux Klaus, schnitt mit meiner grünen Bastelschere, die so schöne Zacken machen kann, einmal rund um die Reindling-Form herum. Ganz, ganz behutsam, damit Aloisia nicht aufwachte. Früher auf dem Bauernhof wurden die Haare auch so geschnitten, bei den Männern halt, aber das war jetzt nicht wichtig. Wichtig war, dass Aloisia ab sofort wieder eine schöne Frisur hatte, eine Fransen-Frisur, die ihr erstaunlich gut steht. Pretty Woman, Aloisia!

Vielleicht sollten unser Hauskater und ich ja auch ein Friseurgeschäft aufmachen, eines für Topf-Schnitte aller Art, weil Aloisia Töpfe in verschiedenen Größen hat, und da passt jeder Kopf irgendwie rein. Schnipp-Schnapp, alle Haare ab!

Es grüßt herzlich,

euer Clown-Fux Klaus