Geschichten vom Clown-Fux Klaus #43

30.Dezember 2020
  • Geschichten vom Clown-Fux Klaus

Die Silvester-Rakete

„Silvester? Silvester? Mhmm, das ist doch der Kater von unserer Mesnerin?“, rätselte ich, der Clown-Fux Klaus, als wieder einmal alle Radio-Nachrichten voll davon waren. Silvester soll man angeblich feiern, doch verstand ich nicht wirklich, was es an so einem alten Kater zu feiern gab. Der Kater war sicher schon 12, 15 oder gar 21 Jahre alt, hatte ein struppiges Fell, hinkte ein wenig und hatte ein angeknabbertes Ohr. „Silvester soll heuer trotzdem bunt werden“, las unser Hauskater aus der Tageszeitung vor und schmunzelte. Wie um alles in der Welt sollten wir diesen Silvester-Kater bunt bekommen? Er war doch rein weiß mit ein paar schwarzen Flecken drin. „Wir könnten ihn mit Farbe anspritzen, den Mesnerinnen-Silvester“, schlug ich vor, doch unser Hauskater wimmelte ab. „Das können wir dem alten Herrn nicht antun, das lassen wir lieber“, so unser Hauskater aus überzeugter Katzensolidarität.

„An Silvester dürfen nur in Ausnahmefällen Raketen geschossen werden“, las unser Hauskater weiter aus der Tageszeitung vor. Ausnahmefall? Ja, Ausnahmefall war unser Kater-Silvester auf jeden Fall, war er doch sein ganzes Katzenleben nirgends hingekommen, immer nur rund ums Mesnerhaus gesaust. Außer einmal, da war der Fellnasen-Silvester ziemlich weit weg von daheim und musste von der Feuerwehr nachhause gebracht werden. Er war nämlich aus Versuchung beim Bäcker ins Auslieferauto gestiegen, hatte dort gemütlich den Staubzucker von den Krapfen geleckt und gar nicht bemerkt, dass der Bäcker die Seitentüre geschlossen hatte und weiter gefahren war. Blöderweise war die nächste Kundschaft weit weg vom Mesnerhaus, und als der Silvester-Kater ausgestiegen war, hatte er natürlich keine Ahnung, wo er gelandet war. Zum Glück hatte ihn damals die hiesige Bergbäuerin erkannt und umgehend die Mesnerin verständigt.

„Der Silvester-Kater ist definitiv ein Ausnahmefall und darf heuer mit der Rakete geschossen werden“, war unser Hauskater überzeugt, und wir beide gingen sofort ans Werk. Mit einer Bauanleitung aus dem Katzen-Internet dauerte es gar nicht lange, bis die Silvester-Kater-Rakete fertiggestellt war. Einzig Aloisia durfte nichts davon erfahren, da sie keine Raketen mag und sich jedes Mal, wenn es draußen kracht, so sehr erschreckt, dass ihre Brillengläser gleich anlaufen.

So bauten wir am Abend die Silvester-Kater-Rakete ganz heimlich im Garten - hinter den Apfelbäumen links - auf und eilten zu unserem Passagier, der gerade hinter dem Ofen geschlafen hatte. „Ihr wollt mich mit einer Rakete schießen? Das ist ja eine tolle Idee, vielen Dank! Wo fliegt die Rakete denn hin?“, wollte Silvester, der Kater, von uns wissen. „Laut meinen Berechnungen bis zu den Planeten. Also Merkur, Saturn oder vielleicht sogar Neptun sollten sich schon ausgehen“, erläuterte unser Professor Hauskater. „Cool“, miaute der Silvester-Kater, zog sich rasch einen Helm sowie Pfotenschuhe an und hüpfte vergnügt mit uns Beiden in unseren Hausgarten.

Gerade als Silvester in die Rakete einsteigen wollte, tauchte Aloisia auf der Terrasse auf. „Was um alles in der Welt…“, hörten wir sie grimmig vor sich hinschimpfen, als sie näherkam. „Schnell, Hauskater, zünde die Rakete an“, rief ich nervös, doch unser Hauskater war nicht schnell genug. Die Lunte brannte zwar, aber Aloisia hatte den Silvester-Kater schon aus der Rakete gezogen. „Ich hatte euch doch gesagt…“, setzte Aloisia gerade zum Weiterschimpfen an, als sie bemerkte, dass sich ihr Rock in der Einstiegsluke der Rakete verfangen hatte. Sie zerrte hastig daran, doch…  „Drei, zwei, eins, Go!“, flüsterte unser Hauskater und schon machte sich die Rakete mit Aloisia im Schlepptau auf den Weg ins All.

„Wow! Ein gutes Neues Jahr“, murmelte der Silvester-Kater beeindruckt und wir Drei starrten so lange in den Nachhimmel, bis von der nunmehrigen Aloisia-Rakete nichts mehr zu sehen war.

Es grüßt herzlich,

euer Clown-Fux Klaus

Frage: Auf welchem Planeten ist Aloisia wohl gelandet?