Geschichten vom Clown-Fux Klaus #36

11.November 2020
  • Geschichten vom Clown-Fux Klaus

Gesellschaft für Aloisia

Zum Glück war der Fensterputzsturz von Aloisia nicht allzu schlimm, denn sie durfte schon nach drei, sechs oder neun Monaten, so genau weiß ich, der Clown-Fux Klaus, das nicht mehr, wieder nachhause kommen. Also Aloisia wurde gebracht, mit so einem Tatütata-Blaulichtauto, das hinten ein Bett drin stehen hat. Für meinen Clown-Fux-Geschmack ist dieses Bett etwas zu klein und nicht ganz so kuschelig, wie ein Bett sein sollte, aber dass man damit überall hinfahren kann, ist schon eine gute Sache. Vielleicht sollten die Tatütata-Leute in Zukunft einmal daran denken, ein Doppelbett ins Fahrzeug zu packen?

„Aloisia schaut aus wie eine Mumie“, murmelte unser Hauskater als er die weiß eingewickelte Gestalt in unserem Wohnzimmer sah. So wirklich viel war von der normalen Aloisia nicht zu sehen. Nicht der karierte Rock, nicht die Bluse, nicht die wunderbaren braunen Schuhe. Sogar die Handtasche und Aloisias Brillen waren ganz dick mit Verbandsmaterial eingebunden. Glücklicherweise hat Aloisia eine unverkennbare Stimme, ansonsten hätte sich jeder und alles in diesem weißen Verbandhaufen verstecken können, zum Beispiel ein Bär, ein Außerirdischer oder ein Roboter. Aber es war Aloisia und das machte unseren Hauskater und mich sehr, sehr froh, weil es schon nicht fein ist, so lange so allein daheim zu sein.

Blöderweise konnte sich Aloisia wegen der beiden Gipsbeine kaum selbst bewegen und musste deshalb den ganzen Tag und die ganze Nacht im Wohnzimmer auf dem Sofa verbringen, was schon nach kurzer Zeit ziemlich langweilig war. „Wir müssen Gesellschaft für Aloisia organisieren“, schlug ich, der Clown-Fux, vor und unser Hauskater wusste auch schon wie das vonstatten gehen würde. „Eine Anzeige in der Zeitung: Aloisia sucht Gesellschaft, dringend. Bitte beim Clown-Fux melden“, diktierte unser Hauskater der Dame von der lokalen Tagezeitung und freute sich.

Siehe da, keine drei Stunden später läutete schon das Telefon, ich flitzte hin und der erste Bewerber meldet sich mit: „Guten Tag, ich bin der Wolf Hans-Peter, habe ein eigenes Café und würde Aloisia gerne zu mir zu Kuchen und Kaffee einladen. Ich hole sie natürlich auch ab.“ Um ja sicher zu gehen, dass dieser Wolf keine falschen Absichten hatte – in irgendeinem Märchen hat ja bekanntlich so ein Wolf-Vieh eine Großmutter gefressen – befragten unser Hauskater und ich den Wolf Hans-Peter ganz genau. Sein Bruder war Konditor, daher hatte er stets ganz viele, frische Mehlspeisen in seinem Café: Sachertorte, Malakovtorte, Linzer Schnitten, Topfengolatschen, Punschkrapferl, Nusshörnchen… Bei dieser Aufzählung lief mir das Wasser im Clown-Fux-Mund zusammen. So viiieeele guuute Mehlspeisen! Was aber würde passieren, wenn Aloisia all diese Mehlspeisen aufessen würde? „Dann nimmt sie wahrscheinlich Unmengen zu und kann noch länger nicht ordentlich laufen“, analysierte unser Hauskater. „Das kann ich mit meiner Clown-Fux-Ehre nicht zulassen“, sprach ich wie ein mutiger Ritter und stieg statt Aloisia zu Hans-Peter ins Auto, um im Café 16 Stück Torte, 23 Kleingebäcksorten und mindestens 56 Kekse zu essen. Nur so konnte ich Aloisia helfen.

Unser Hauskater hingegen nahm den zweiten Anruf entgegen, da Aloisia ja zu Fuß nicht über die Stiege zum Telefonkästchen humpeln konnte. Professor Reini, ein international anerkannter Computerspezialist und Wissenschaftler, lud unsere Aloisia zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion über die Zukunft des Fernsehens ein. „Ich höre doch viel lieber Radio, mag kein Fernsehen“, murmelte Aloisia und bat unseren Hauskater Professor Reinis Einladung zu folgen, was dieser liebend gerne tat, schließlich ist unsere Fellnase ja ein ganz kluger Kopf.

In seiner Aufregung vergaß unser Hauskater vor seiner Abreise leider das Telefon in Aloisias Nähe zu legen, so konnte niemand weitere Anrufe entgegennehmen. Auf diese Weise wurde es irgendwie nichts mit der Gesellschaft für Aloisia, während ich fein haufenweise Kuchen aß und unser Hauskater kluge Diskussionen führte. So blieb Aloisia nichts anderes übrig, als vor dem Schlafen statt den Schafen zu zählen, wie oft das Telefon läutete…ring, ring… ring, ring… ring, ring… ring, ring… ring, ring… ring, ring, ring… ring, ring…

 

Es grüßt herzlich,

euer Clown-Fux Klaus

Frage: Wann hättest du Zeit Aloisia ein wenig Gesellschaft zu leisten?