Geschichten vom Clown-Fux Klaus #14

27.Mai 2020
  • Geschichten vom Clown-Fux Klaus

Eine große Bestellung

Aloisia geht nicht gerne einkaufen, warum weiß keiner. Sie betont, dass wir alles, was wir brauchen, zu Hause hätten und sowieso immer irgendwer etwas vorbeibringt. Mal kommt eine alte Schulfreundin von Aloisia und bringt Gemüse, mal der Nachbar, der Fleisch übrig hat, dann wieder ein Onkel, der Brennholz liefert… kurz und gut, wer bei uns klingelt bringt auch meist etwas vorbei.

Die Schulfreundin von Aloisia ist Vege…Vega…Voge…nein, wie heißt das noch mal, wenn man kein Fleisch isst…Vigo…Vertikanerin, ja ich glaube, so heißt das. Auf jeden Fall ist die Schulfreundin so einen Vertikulanerin und hat einen riesigen Gemüsegarten, wo so viel wächst, dass alle mehr als genug haben. Unser Hauskater mag die Vortigarierin nicht besonders, weil er am liebsten Mäuse frisst, aber die hat sie nicht im Angebot. Stattdessen gibt es jetzt zum Beispiel schon Salat, Radieschen, Kohlrabi, Spinat, und weiß der Clown-Fux, was noch alles. „Sehr lecker“, meinen Aloisia und ich, der Clown-Fux, „wäh, wäh, wäh“, meint unser Hauskater, der unlängst etwas Interessantes beobachtet hat.

Zu unserer Nachbarschaft kommt auch jemand und bringt Sachen. Mit einem großen Gefrierschrankwagen, in dem alles schön tiefgefroren ist. Die Gefrierschrankwagen-Fahrerin hüpft stets ganz schnell aus dem Auto, hat einen Zettel in der Hand, öffnet eine der Türen am Wagen, holt gefrorene Päckchen heraus, springt dann wie ein Reh zur Haustüre, läutet und kaum öffnet jemand die Türe, sind die Päckchen auch schon verschwunden. „Bezahlen muss man die nicht, nur den Zettel unterschreiben“, erklärte mir unser Hauskater überzeugt. „Woher weiß die Fahrerin, welche Päckchen wohin gehören“, wollte ich wissen. „Du rufst die Frau vorher an und sagst ihr durch das Telefon, was du haben möchtest. Davor suchst du im Katalog aus“, gab sich unser Hauskater wissend und fuchtelte mit einem Katalog herum. Irgendwas mit Tiefkühl-Dingsbums stand da drauf.

Neugierig blätterten wir Beide den Katalog durch und fanden neben vielen guten Vugatanier-Sachen auch jede Menge Fleischgerichte und Fischstäbchen. Fischstäbchen, eine Leibspeise unseres Hauskaters! „Wir rufen die Kühlkasten-Fahrerin gleich an und bestellen Fischstäbchen für uns zwei“, johlte unser Hauskater euphorisch. Da Clown-Füxe dafür bekannt sind, besonders gut rechnen zu können, musste ich ausrechnen, wie viele Fischstäbchen wir beide bis Weihnachten brauchen würden. Am Ende kamen 14.703 Fischstäbchen heraus, verpackt in 19 großen Kartons.

Unverzüglich rief unser Hauskater die Kühlkasten-Dame an, gab die Bestellung durch und setzte sich aufgeregt vors Haus, da die Lieferung noch am selben Tag kommen sollte. Und tatsächlich, alles wurde wie bestellt geliefert! Unser Hauskater unterschrieb mit einem Pfotenabdruck, ich schleppte die Kartons in den Keller und fand dabei eine Rechnung, die wir einfach der Nachbarin in den Postkasten warfen.

„Wir bringen einfach nicht alle unter“, stöhnte unser Hauskater, nachdem wir vergeblich versucht hatten alle Fischstäbchen in Aloisia sieben Gefriertruhen zu stopfen. Aloisia hat nämlich für jedes Essen eine eigene Gefriertruhe, für Fleisch, für Gemüse, für Kuchen sowie Torten, für Eis, für Brot sowie Semmel, Beeren sowie Früchte und natürlich auch für Fisch. Zwei ganze Kartons blieben uns übrig. „Mhhm, Fischstäbchen müssen es kalt und dunkel haben“, überlegte ich laut. „Aloisias Kleiderschrank!“, brach es aus unserem Hauskater heraus. In der Tat, dunkel war Aloisias Kleiderschrank allemal, und kalt konnten wir ihn schließlich auch machen. Wir packten einfach das gesamte Eis, alle Lieblingssorten von Aloisia, mit in den Kleiderschrank. Genauer gesagt hinter Aloisias Socken und Unterwäsche, ein sehr schöner Platz, wenn ihr mich, den Clown-Fux Klaus, fragt!

Jetzt war alles in bester Ordnung. Aloisia konnte das Gemüse der Schulfreundin, sozusagen jeden Tag vegetunisch essen und für uns Beide gab es jeden Tag bis Weihnachten Fischstäbchen – so war es zumindest geplant. Bis es in Aloisias Schlafzimmer so komisch zu riechen begann, und bis die wütende Nachbarin bei uns Sturm läutet, und bis Aloisia überhaupt kein Eis mehr fand, und bis ich überhaupt keine Lust mehr auf Fischstäbchen hatte, und bis Aloisia mit verschränkten Armen vor uns stand, und bis…

 

Es grüßt herzlich,

euer Clown-Fux Klaus

Frage: Was würdest du - an Aloisias Stelle - jetzt mit Hauskater, Clown-Fux, Rechnung, wütender Nachbarin und den vielen Fischstäbchen machen?