Geschichten vom Clown-Fux Klaus #12

20.Mai 2020
  • Geschichten vom Clown-Fux Klaus

In freier Natur

Seit Montag gibt es nur mehr ab und zu Daheimschule, zumindest für alle Kinder und Jugendlichen. Für Clown-Füxe und Hauskater hat Aloisia eine eigene Regel aufgestellt, zumal sie irgendwann, also vor 237 oder 173 oder 92 Jahren, vor Ewigkeiten sozusagen, einmal eine echte Lehrerin war.

Woran unser Hauskater und ich uns erinnern können, ist, dass Aloisia mit ihren Schulkindern immer ganz viel im Freien war. Für alle möglichen Unterrichtsfächer, aber vor allem für Sport, weil Aloisia meint, dass Bewegung an der frischen Luft gesund ist und beim Denken hilft. Da bin ich, der Clown-Fux Klaus, ganz ihrer Meinung, aber wichtig ist auch, dass genug Jause mitgenommen wird. Clown-Fux braucht ungefähr einen Liter Saft, fünf Jausenbrote, zwei Dosen frisches Gemüse, acht Stücke Kuchen und circa 13 Müsli-Riegel, das reicht dann für einen Halbtageswandertag.

Die letzte Schule in der Aloisia, unser Hauskater und ich arbeiteten liegt an einem ganz schönen Fleck von Österreich, mit ganz vielen hohen Bergen und einem Tal dazu. Mit dem Auto fährt man, sagt unser Hauskater, ungefähr 45 Minuten, mit unserem Traktor waren wir immer mindestens drei Stunden unterwegs, weil der alte Traktor am steilsten Stück ab und zu auch Pause machen wollte und einfach nicht mehr weiterfuhr. Das war auch der Grund, warum Aloisia Montagnacht um 02:00 Uhr los fuhr, um ja pünktlich in der Schule zu sein. Unter der Woche übernachteten wir dann bei einem Freund von Aloisia, dem Stemmi, der ganz weit oben auf einem Berg wohnt, und am Freitag fuhren wir wieder heim.

Bei Stemmi konnte sie sich gut auf den Unterricht vorbereiten und ich, der Clown-Fux Klaus, besuchte fast jeden Tag meine Freunde im Wald: Hochwald-Füxe, Stauden-Füxe, Graben-Füxe und Gipfel-Füxe, aber die bekam ich nur selten zu Gesicht, weil sie meist auf den Berggipfeln herumhüpften. In all den Jahren bekam ich, der Clown-Fux, nur ein einziges Mal einen Erd-Fux zu sehen, und da hätte ich ihn beinahe mit einem viel zu groß geratenen Maulwurf verwechselt. Und die Wipfel-Füxin Klara, ja, die Klara, die… die… die… lud mich – ohne unseren Hauskater und Aloisia – regelmäßig zu Schokokuchen und Kakao ein.

Das Einzige, das mich bei Stemmi anfangs etwas nervös machte, waren die Adler. Ja, ihr lest richtig, die Adler, diese riesengroßen Vögel, die auf vielen Flaggen und Fahnen zu sehen sind und unter strengstem Naturschutz stehen, weil es nur mehr so wenige von ihnen gibt. Aloisia freute sich stets, wenn sie die Adler über Stemmis Haus kreisen sah, unser Hauskater und ich, der Clown-Fux Klaus hingegen, hatten mit diesen Riesengefiedern so unsere liebe Not. Warum? Weil uns diese Großhennen mit Futter verwechselten. Ja, die adeligen Mammutspatzen wollten unseren Hauskater und mich, den Clown-Fux, einfach auffressen oder ihren Jungen als Hauptspeise servieren.

Einmal hatte so ein hungriges Großfedervieh unseren Hauskater schon am Schwanz gepackt und war gerade dabei wegzufliegen, als Aloisia in letzter Sekunde einschreiten, den Kater retten und den Adler zur Rede stellen konnte. Du lieber Himmel, das hättet ihr hören sollen! Aloisia sagte dem XXL-Zwitscherer so die Meinung, dass er am Schluss ganz zerknittert sowie kleinlaut um Verzeihung bat und anbot, es wieder gut zu machen.

Aloisia überlegte kurz und hatte dann, so finden der Hauskater und ich, der Clown-Fux Klaus, wohl die beste Idee des Jahres. Sie sagte dem Adler, dass wir drei einen Rundflug machen möchten. Der nun wieder gut gelaunte Vogel nickte, sagte er sei in zehn Minuten wieder da, und wir sollten uns bereit machen. Aloisia machte alle Knöpfe ihrer Bluse zu und zog die Strümpfe hoch, der Hauskater setze seine alte Motorradhaube auf, und ich, der Clown-Fux, packte sieben Kilogramm Jause ein.

Zurück kam der Adler mit seiner ganzen Familie, und er hielt sein Versprechen. Die Großvogel-Familie packte uns vorsichtig mit ihren Krallen, hob uns in die Höhe und flog mit uns durch die Lüfte. Über alle Bergspitzen, alle Täler, viele Häuser und ganz wenige Menschen. So schön ruhig, wie es da oben war… ich glaube, an diesem Tag waren wir alle Drei richtig glücklich, sogar Aloisia, die gar nicht mehr landen wollte. Erst als es dunkel wurde, setzten uns die Adler wieder auf Stemmis Hausdach direkt neben den Kamin ab.

Es grüßt herzlich,

euer Clown-Fux Klaus

Frage:

Was glaubst du, welche Fächer hat Aloisia damals in der Schule im Freien außer Sport noch unterrichtet?