Geschichten vom Clown-Fux Klaus #10

06.Mai 2020

Kapitel 10: Filmabend

Jetzt dürfen Hauskater, Clown-Fux Klaus und Aloisia also wieder unter die Leute, wenn genug Abstand eingehalten wird. Unser Hauskater und ich, der Clown-Fux Klaus, freuten uns über die Nachricht, nur Aloisia sagte nichts. Stumm hörte sie den Radiobericht an und drehte, wie immer, wenn das Wetter kam, etwas lauter. „Freust du dich nicht?“, fragte unser Hauskater. „Mhhm“, war das Einzige, was aus Aloisia herauszubekommen war.

„Am Ende hat Aloisia Schmerzen, ist krank“, schlug ich vor, doch der Hauskater winkte mit seinem geringelten Hauskaterschwanz ab. „Vielleicht ist sie einsam oder traurig“, erklärte unser Hauskater. So saßen wir also da auf unserer neu geputzten Terrasse und überlegten, was Aloisia wohl fehlen könnte. „Es kann sein, dass sich Aloisia nicht mehr unter die Leute traut, weil wir jetzt sooo lange allein daheim waren“, stellt der Kater naseweis fest. Ja, das war es! Aloisia war in den letzten Wochen leutescheu geworden! So viele Wochen war sie nur mit Hauskater, Clown-Fux und einigen Hühnern daheim. Nicht mal die anderen Clowns durften zu Besuch kommen, niemand.

„Wir gewöhnen Aloisia langsam wieder an andere Menschen und fangen mit fernsehen an!“, rief der Hauskater vergnügt und sauste wie der Wind auf unseren verstaubten, vollkommen zugestopften Dachboden. Ich hatte alle Mühe nachzukommen. Und tatsächlich, hinter den Schränken mit den alten Kleidern von Aloisia und sechs Nachtkästchen und 34 Vasen und mindestens 76 Paar Schuhen, fanden wir ihn: Unseren stattlichen Fernseher!

Groß, breit und unglaublich schwer war das Gerät. Vermutlich wog das Ding 1985 Kilogramm, das stand zumindest hinten auf dem Aufkleber. Es dauerte fast eine Stunde bis unser schmächtiger Hauskater und ich, der bärenstarke Clown-Fux, diesen Fernseh-Koloss ins Wohnzimmer geschleppt, abgestellt und abgestaubt hatten. Beiden schwitzten wir, wie nach 15 Stunden Gewichtheben im Fitness-Studio. Gespannt bis in die letzte Clown-Fux-Spitze, testeten wir, ob dieser Fernseh-Felsen noch funktionierte, und – siehe da – er ging und flimmerte ganz gewaltig. Dazu rauschte es so laut, dass es in den Ohren wehtat. Vergeblich suchte unser Hauskater nach einer Fernbedienung, die gab es schlicht und einfach nicht. Nur Knöpfe und die drückte und drehte ich, bis es zumindest nicht mehr in den Ohren pfiff.

„Was macht ihr denn da?“, hörten wir plötzlich Aloisias überraschte Stimme hinter uns. „Wir machen, wir machen…wir machen…einen Filmabend für dich“, platzte es aus dem Kater heraus. „Hol schon mal Chips, Limonade und Schokolade für uns alle“, schlug ich vor, und Aloisia verschwand tatsächlich in der Speisekammer. Als unsere Bestellung auf dem Couch-Tisch stand und Aloisia erwartungsfroh in das Flimmern schaute, ging mir, dem Clown-Fux Klaus, wieder ein Licht auf. „Hauskater, du musst mit der Antenne aufs Dach, sonst gibt es kein Bild!“, rief ich und der Kater stürmte mit der Antenne los.

Tatsächlich – sobald der Hauskater mit der Antenne auf dem Dach hockte, hatten Aloisia und ich im Wohnzimmer ein schönes Bild mit Menschen drin, die sich bewegten und am Meer spazieren gingen. Zwar nur schwarz-weiß, aber immerhin. Ich flitzte auf die Terrasse und rief dem Hauskater zu, dass er nun auf dem Dach bleiben müsse, bis der Film aus sei. Bereitwillig stimmte er zu und hielt die Antenne ganz ruhig, damit Aloisia ja ein schönes Bild hatte.

„Nun kann ich mich den Chips, der Limonade und vor allem der Schokolade widmen“, dachte ich mir und begann genüsslich zu schmausen. Hervorragend, wie gut so ein Filmeabend schmeckt! Am Ende, als es schon wieder hell wurde, hatte ich, der Clown-Fux Klaus, alles aufgegessen, unser Hauskater wunderschöne Sternbilder am klaren Nachthimmel entdeckt, 21 Sternschnuppen gezählt und Aloisia fünf ganze Filme gesehen, die alle dasselbe Ende hatten. Ein Mann fragte eine Frau bei Sonnenuntergang etwas, sie nickte nur, er nahm ganz glücklich ihre Hände und Aloisia ein Taschentuch. Wegen den Pollen, sagt sie. Ja, ja…

Es grüßt herzlich,

euer Clown-Fux Klaus

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