Emergency Smile Ukraine: Clownin Minna unterwegs in der Steiermark

29.April 2022
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Monika Wedenig alias Clownin Minna besucht seit 2015 geflüchtete Menschen. Seit Ende März schenkt sie Kindern wie Erwachsenen, die die Ukraine verlassen mussten und in der Steiermark Zwischenstation machen oder untergebracht sind, fröhliche Momente.

Im Interview hat sie uns erzählt, wie sie die Emergency Smile-Einsätze erlebt und welche Erfahrungen sie gemacht hat.

Wo hat dein erster Emergency Smile-Einsatz stattgefunden?

Unser erster Clown-Einsatz war Ende März bei einem Begegnungscafé in Graz. In der Steiermark sind viele geflüchteten Menschen aus der Ukraine in Privatunterkünften untergebracht und kennen sich daher untereinander nicht. Beim Begegnungscafé können sie sich kennenlernen. Außerdem werden die Angebote, die es für sie gibt, vorgestellt. Es gibt Stände und etwas zu Essen. Es ist wie ein Willkommensfest.

Ist dir eine Begegnung besonders in Erinnerung geblieben?

Zwei Bilder sind mir sehr stark im Herz geblieben. Clown Franz hat Kinder zu kleinen Akrobatikkunststücken eingeladen. Dabei hat er einen Buben auf die Schulter genommen und ist aufgestanden. Der Bub ist dann auf seinen Schultern gestanden, hat die Arme ausgebreitet und ins Publikum hineingestrahlt. Das war so ein schönes Bild.

Und das zweite Bild?

Da war noch ein kleines Mädchen, das uns sofort zugetan war. Wir sind mit unseren Koffern gekommen, waren also unterwegs so wie sie. Das Mädchen ist gleich zu uns gekommen und hat uns beim Auspacken geholfen. Doch in Minnas Koffer war nur ein kleiner Floh. Dieses kleine Mädchen ist dann zu unserem großen Koffer gegangen, in dem wir verschiedene Tools drinnen hatten, und hat sich den bunten Regenschirm herausgeholt.  

Die Kinder durften über ein Band gehen, das wir am Boden aufgelegt hatten und das Mädchen ist von selbst allein mit diesem Schirm darübergetänzelt. In so einer beseelten und glücklichen Weise. Sie war ganz bei sich. So als hätte der Schirm ihr Schutz gegeben. Das war so schön anzusehen.

Ich habe auch die Mutter gesehen, die von Weitem ganz gerührt zugeschaut und sich gefreut hat, dass die Tochter so aufblüht.

Wie ist euer Clowneinsatz weitergegangen?

Wir sind bald runter von der Bühne, um in das Spiel zu kommen. Denn das ist das Wichtigste. Die Kinder wollten spielen, sie wollten selbst tun. Sie sind die großen Künstler. Sie waren bereits auf der Bühne die großen Künstler und nicht wir. Wir sind auch gemeinsam mit ihnen durch den Saal und hinaus in den Garten gezogen.

Habt ihr außerhalb von Graz auch geflüchtete Kinder und Erwachsene besucht?

Ich war noch bei einem zweiten Einsatz dabei, in Weiz. Dort hat es im Kunsthaus auch so eine Art Begegnungscafé zum Vernetzen und Kennenlernen, eben ein Willkommensfest gegeben. Die Weizer sind nämlich sehr aktiv und haben schon von 2015/16 gute Erfahrungen. Sie haben sofort wieder angefangen zu organisieren.

Geplant war, dass es erst eine halbe Stunde Vorstellung, Gespräch und Reden gibt und dass wir uns anschließend mit den Kindern beschäftigen. Clown Brösel und ich waren aber schon kurz vorher dort. Brösel hat gleich große Seifenblasen herausgenommen und ich habe einen Luftfisch aus Stoff gehabt. So haben wir die Menschen empfangen, bevor das eigentliche Programm gestartet ist

Wie haben die Kinder auf euch reagiert?

Als die Veranstalter mit den Reden angefangen haben, bin ich in meinem Kostüm und mit dem Luftfisch seitlich gestanden. Ich habe zwar versucht, mich klein zu machen, aber zwei Mädchen sind sofort da gewesen. Sie haben Kontakt mit mir aufgenommen und wir haben zu spielen begonnen. Ich habe versucht, sehr leise zu spielen, damit wir das ganze Gefüge an Vorträgen nicht stören.

Es sind dann mehr und mehr Kinder gekommen. Brösel ist dazugestoßen und wir haben den seitlichen Gang als Walking Act genützt. Das war sozusagen unsere Bühne und gleichzeitig unser Spielraum. Die Kinder haben sich am Stock, auf dem der Luftfisch montiert ist, angehalten und wir sind gemeinsam den Gang auf und ab marschiert, sind gelaufen und gesprungen. Wir waren so ein Stück gemeinsam unterwegs.

Das heißt, das Spielen steht für die Kinder im Vordergrund?

Ja, unser Clownbesuch ist eine Einladung an die Kinder zu spielen. Und Kinder steigen meist auch sofort darauf ein. Das ist wirklich wunderschön zu beobachten.

Du hast schon erzählt, dass ihr Akrobatiknummern mit den Kindern macht, eine gemeinsame Clownparade, sie über Bänder balancieren lasst? Wofür ließen sich die Kinder noch begeistern?

Wir haben dann Teller gedreht, die sie selbst halten können. Wir haben mit ihnen getanzt und gesungen. Clown Brösel hat außerdem eine wunderbare Schwedenbombenschleudermaschine. Da müssen die Kinder mit einem Softball auf eine Zielscheibe schießen. Das löst dann eine Mechanik aus, sodass ihnen eine Schwedenbombe entgegenkommt, die sie fangen können.

Wie ist das mit der Sprache? Ich nehme mal an, dass ihr kein Ukrainisch sprecht.

Wir haben mit einer ukrainischen Kollegin, die in Slowenien lebt, einen Crash-Kurs gemacht. Wir haben ein sehr schönes ukrainisches Lied gelernt und ein Kinderlied aus der Sowjetzeit noch. Um das Eis zu brechen genügen „laskavo prosymo“ - „Herzlich willkommen“, „dyakuju“ - „danke“ oder auch „vybachte“ - „entschuldigung“. Und wenn man bis drei zählen kann, ist man schon auf der guten Seite. Mit „Odyn, dva, try“ kann man ganz viel machen.

Dann fangen die Kinder an zu plaudern. Aus dem Kontext versteht der Clown. Minna antwortet oft in ihrer Gromolo-Sprache, einer Clownsprache. Die Kommunikation funktioniert gut auch ohne viel Sprache.

2015/2016 hatte ich einen großen Vorteil, da ich arabisch spreche. Aber die universelle Sprache, die auch der Körper spricht und die Seele und das Herz, die kennt keine Barriere. Das ist eigentlich die Sprache des Clowns.

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