Clownin Rosa im Interview

09.Oktober 2020
  • ROTE NASEN Interviews

Martina Haslhofer alias Clownin Rosa besucht seit 17 Jahren Senior*innen in Pflegewohnheimen. Wie sie diese besonderen Besuche empfindet, erzählt sie im Interview.

Was ist das Besondere an Besuchen bei Senior*innen?

Ich habe vor mehr als 15 Jahren begonnen als Clown alte Menschen in Pflegeeinrichtungen zu besuchen. Damals, selbst noch recht jung und mit keinerlei Erfahrung im Bereich Langzeitpflege, war es wie ein Sprung in die eigene Zukunft. Das Leben von hochbetagten Menschen war mir so fremd, dass es erst einmal auch ein großer Schock für mich war, Menschen zu besuchen, deren Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit so eingeschränkt ist. Pflegebedürftige Menschen müssen in so vielen Bereichen auf das verzichten, was für mich als junger Mensch Lebensqualität und Lebensfreude ausmacht. Ich habe im ersten Jahr nach jedem Clownbesuch in einem Pflegeheim Tage gebraucht, um die Erlebnisse und Bilder zu verarbeiten. Zum Glück habe ich aber immer mehr erlebt, dass Menschen auch unter diesen Lebensumständen lachen und strahlen und Glücksmomente empfinden können.

Oft war es eben genau unsere „Clown Energie“ die dies ermöglicht hat. Die Tatsache, dass ich von Anfang an gespürt habe, dass wir als Clowns genau dort sind, wo es uns wirklich braucht, hat mich dazu bewegt weiterzumachen. Diese Arbeit hat für mich Sinn gemacht und macht es bis heute. Immer wenn ich nach einem Einsatz im Pflegeheim, der lange und manchmal auch emotional schwierig ist, nach Hause gehe, bin ich sicher, dass ich eine wichtige Arbeit mache, die gut ist in dieser Zeit, in der die Zahl der alten pflegebedürftigen Menschen immer mehr steigt und die Zahl der Pflegenden pro alter Mensch immer mehr sinkt. Aus meiner heutigen Erfahrung kann ich sagen, dass das Besondere an der Arbeit als Clown im Seniorenprogramm die „Echtheit“ der Begegnung ist und die große Herausforderung ist das Entwickeln einer wirklich guten und authentischen Personage.

Was sind die Herausforderungen?

Für das Clown-Sein im stationären Pflegebereich braucht es eine große Liebe zu dieser Aufgabe. Es geht darum, dass man auch mit einem alten Menschen, dem die Zahnprothese aus dem Mund rutscht, und der bei jedem Besuch immer wieder dieselben Geschichten aus seinem Leben erzählt, seinen Spaß finden kann und Lust auf gemeinsames „Blödeln“ entwickelt. Ältere Menschen sind oft nicht mehr bereit sich gesellschaftlichen Konventionen unterzuordnen, sie spüren wie jemand mit ihnen in Kontakt tritt und wenn das Interesse nicht ehrlich gemeint ist, dann reagieren sie sofort darauf.

Wenn der Kontakt zwischen Clown und älterem Mensch aber auf Empathie und Wertschätzung basiert und sich beide auf „derselben Wellenlänge“ begegnen, ist die Chance auf eine besondere Begegnung sehr groß! Was ich an dieser Arbeit mag, ist, dass ich über lange Zeit (oft über Jahre) Beziehungen zu diesen Menschen aufbauen kann und wir uns gemeinsam eine Freude machen, ich bin nicht so sehr der „Unterhaltungsclown“, sondern dem Wesen des Clowns – dem offenen DA-SEIN – viel näher als irgendwo sonst.

*Die Fotos in diesem Beitrag sind vor dem Ausbruch der Covid19 Pandemie entstanden. Aufgrund der aktuellen Situation werden alle Hygiene- und Abstandsregeln bei möglichen Einsätzen eingehalten.