Gruppe von Menschen bei dem Anmeldungsdesk für die Gesundheitsclown-Konferenz in Wien

Healthcare Clowning International Meeting (HCIM) in Wien

09.April 2018

Interdisziplinäre Konferenz zur Gesundheits-Clownerie ein voller Erfolg

Bis 6. April lud ROTE NASEN Clowndoctors internationale KollegInnen sowie WissenschaftlerInnen und medizinisches Fachleute zum bisher umfangreichsten Forum für Gesundheits-Clownerie ein. Mit dem Healthcare Clowning International Meeting (HCIM) 2018 fand der bisher größte Wissensaustausch zum Thema "Clowns im Gesundheitssystem" statt. Diskutiert wurden unter anderem die unterschiedlichsten Einsatzgebiete von Clowndoctors, Clowninterventionen aus der Sicht der PatientInnen, die Rolle von Clowns in und für die Gesellschaft, die wissenschaftliche Studienlage sowie die Herausforderungen, denen sich Spitalclown-Organisationen künftig stellen müssen.

Der Titel des HCIM 2018 machte seinem Namen alle Ehre: THE ART OF CLOWNING - connecting culture, health and science: 400 TeilnehmerInnen aus über 50 Ländern trafen sich, um der Professionalität von Gesundheits-Clownerie eine neue Dimension zu geben. Ob Clown, Wissenschaftler, Arzt, Interessens-Vertreter oder Patient selbst, alle Anwesenden zeigten sich überzeugt von der Notwendigkeit von Clownerie im Gesundheitswesen und vielmehr noch, in der Gesellschaft überhaupt.

Dieser Zuspruch überwältigte selbst den Gründer der Spitalsclown-Bewegung in den USA, Michael Christensen: "Das hier übertrifft all meine Erwartungen! Ich bin mehr als dankbar und stolz, was aus unserer Bewegung geworden ist. Dies ist aber erst der Beginn von etwas noch Größerem, denn Humor kann nicht nur bei kranken und leidenden Menschen viel bewirken."

Publikum bei der österreichischen Gesundheitsclown-Konferenz
© Jakob Polacsek

Clown+Doctors

Dass Clowns immer mehr zum integralen Bestandteil von Spitälern und anderen medizinischen Einrichtungen werden, demonstrierten die zahlreichen Präsentationen, in denen ÄrztInnen und ClownkünstlerInnen gemeinsam am Podium standen, um von den Erfahrungen ihrer Zusammenarbeit zu berichten.

Dr. Peter Ahlburg, Anästhesist Aarhus University Hospital schätzt die Clowndoctors als KollegInnen, die er regelmäßig hinzuzieht, wenn er kleine PatientInnen für ihre Operation vorbereitet: "Der psychologische, emotionale Aspekt wird im Spitalsalltag leider viel zu oft vernachlässigt. Ärzten und Pflegepersonal fehlen die Zeit und auch das Know-how dafür. Umso mehr bin ich meinen Clown-KollegInnen dankbar, sie helfen mir, mich auf meine Arbeit fokussieren zu können, weil sie für eine entspannte Atmosphäre sorgen - und das für alle Beteiligten."

Fünf Personen posieren beim Gruppenfoto vor Aufstellern der Gesundheitsclown-Konferenz
© Jakob Polacsek

WAS? WARUM? WIESO? WESHALB?

Die Frage nach der Wirkung ist wohl die am häufigsten gestellte Frage an Healthcare-Clowning-Organisationen. SpenderInnen, Sponsoren, Institutionen, Öffentlichkeit - sie alle wollen möglichst eindeutig über den Nutzen von Clown-Besuchen bei Kranken informiert werden. Dies ist einer der Gründe, weshalb sich immer mehr Organisationen ins wissenschaftliche Feld begeben. Einige Ergebnisse wurden im Rahmen von HCIM geteilt und präsentiert.

Dass es nicht immer komplexe Studiendesigns sein müssen, um zu zeigen, welchen Effekt Clowndoctors auf kranke Kinder haben, bewiesen zahlreiche Beobachtungen aus der Praxis. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Clown ein Zeichen ist. Wo Clowns sind, kann die Lage nicht so schlimm sein. Dieser Gedanke hilft den Kindern und vor allem auch ihren Eltern. Außerdem haben wir beobachtet, dass junge PatientInnen sich schneller von Operationen erholen, wenn sie eine Clownvisite erleben durften", berichtet Dr. Peter Ahlburg, Anästhesist Aarhus University Hospital.

Und auch die eindrucksvolle Key-Note eines ehemaligen Patienten veranschaulichte die Wirkung von Clowns im Spital eindrucksvoll: "Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich als Kind im Krankenhaus war. Die ROTE NASEN Clowndoctors haben aber dafür gesorgt, dass ich gute Erinnerungen daran habe. Ich wusste nicht, was oder wann Donnerstag war, aber ich habe stets darauf gewartet, weil dann die Clowns kamen. Ich kann es nicht in Worte fassen, es ist ein Gefühl ... Die ROTEN NASEN haben mir sehr geholfen, all diese Widrigkeiten und Schmerzen durchzustehen und heute hier stehen zu können. Ich danke ihnen von ganzem Herzen", rührte Florian Meier, ehemaliger Patient im Orthopädischen Spital Speising, die KonferenzteilnehmerInnen.

Junger Mann hält Schaumstoffnase in die Luft und spricht dabei in ein Mikrofon
© Jakob Polacsek

Clowns als Bindeglied

Nicht nur die Forderung nach einer fixen Institutionalisierung von Clowns im Gesundheitswesen wurde während der Konferenz immer lauter. Zahlreiche Organisationen berichteten auch von ihren positiven Erfahrungen in ganz anderen Bereichen und riefen dazu auf, die Kraft des Humors noch weiter einzusetzen, z.B.:

  • In Schulen
  • In der Traumabewältigung
  • In Krisengebieten, Slums oder nach Naturkatastrophen uvm
Zwei Clowns interagieren, Clown hält Ukulele in der Hand, Clownin steht auf einem Bein und singt
© Jakob Polacsek
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