Bergfeuer-Spezial
Irgendwie war Aloisia in den letzten Tagen so komisch. Nicht unfreundlich oder schlecht gelaunt, aber sehr langsam und nachdenklich. Sie saß viele Stunden ganz alleine auf der Terrasse, sprach kein Wort und schaute sich die Berge an, die sich vor unserem Haus auftürmen. Ziemlich hohe Berge, wenn ihr mich, den Clown-Fux Klaus, fragt, und für meinen Fux-Geschmack viel, viel, viel zu hoch. Aber bitte, dann soll es eben so sein. „Vielleicht ist Aloisia erschöpft, oder gar krank“, mutmaßte unser Hauskater und holte sogleich seine Leselupe um Aloisia genauer anzuschauen. „Also grüne Flecken hat sich keine im Gesicht, und blaue Beine auch nicht“, erklärte Doktor Hauskater nach der Erstuntersuchung. „Vielleicht Läuse oder Haarausfall oder Pfotenpilz“, versuchte ich mich als Gesundheitsexperte, doch auch daran litt Aloisia nicht.
Nein, sie saß einfach nur da und schaute diese Riesenberge an. Und am Samstag, ja am Samstag, da brannten die Berge, also nicht die Berge selbst, aber die Spitzen, oder so. Ich glaube, das nennt man Bergfeuer. Da tragen Menschen so etwas Ähnliches wie große Kerzen auf die Gipfel der Berge und zünden diese an, bevor es dunkel wird. Wenn es dann wirklich dunkel ist, leuchten Symbole von den Bergspitzen oder aus den steilen Wänden, und es ist eine ganz eigene Stimmung. „Irgendwie feierlich, wie an Weihnachten oder so“, sagte unser Hauskater.
„Leider gibt es diese Bergfeuer nur einmal im Jahr“, sprach Aloisia ganz leise, als sie mit vollkommen kalten Zehen, durchgefrorenen Füßen und tropfender Nase zu Bett ging. Fast bis die Sonne wieder aufging war sie auf der Terrasse gestanden und hatte sich diese Bergfeuer-Bilder angesehen. Ein Adler war übrigens ebenso dabei wie ein großes Kreuz und eine Lichterkette über alle Spitzen hinweg. Die Berge hatten tatsächlich mitten in der Nacht geleuchtet – und wie!
„Ich glaube, Aloisia vermisst die Berge“, überlegte unser Hauskater laut. „Wieso? Die stehen doch ohnehin da vor unserer Terrasse und rennen nicht weg. Berge haben doch keine Beine“, erwiderte ich, der Clown-Fux Klaus. „Nein, ich glaube, Aloisia würde jetzt viel lieber in den Bergen sein, als immer nur den ganzen Tag und auch manchmal am Abend und in der Nacht zu arbeiten“, hielt unser Hauskater entschieden fest.