Die Roten Nasen besuchen seit 2004 die Geriatrischen Gesundheitszentren in Graz. Damals waren Clowns erstmals in ihrer Arbeit mit älteren, kranken Menschen konfrontiert. Das bedeutete ganz neue Eindrücke, andere Themen, eine andere Art zu spielen, oder Kontakt aufzunehmen, und vor allem, sich viel mehr Zeit für einzelne Menschen zu nehmen und ganz individuell auf sie einzugehen.
Andrea B. Schramek alias Flora erinnert sich an ihren ersten Einsatz und eine berührende Begegnung...
Aufmerksam beobachtend, gehen Brösel und Flora durch die Stationen. Werden die Clowns auch bei älteren Erwachsenen gut ankommen? Brösel spielt auf seiner Ukulele „Veronika, der Lenz ist da“ und Flora singt dazu. Die Patienten, die an Tischen in Aufenthaltsräumen sitzen, blicken auf, lächeln, manche singen mit. Das Eis ist schnell gebrochen. Mit großem Hallo stellen sich Flora und Brösel vor und schütteln viele Hände. Es ist ein schöner, erster Empfang – und der Beginn einer langen, schönen Zusammenarbeit in der Albert-Schweitzer-Klinik.
Da entdeckt Flora am Ende des langen Ganges, eine, fast leblose, hagere Gestalt in einem Rollstuhl. Sie hat allen anderen den Rücken zugekehrt und scheint zu schlafen.
Als Brösel und Flora näher kommen, erkennen sie, dass hier ein alter, blasser Mann sitzt und döst. Zwischen seinen Beinen klemmt ein Cello. Aber es ist kein echtes. Es ist ein Cello aus einer Sperrholzplatte, an deren Vorderseite 4 Schuhbänder als Saiten montiert sind. In seiner rechten Hand hält der Herr jedoch einen echten Bogen. „Das ist Werner!“, sagte die Stationsschwester. „Er war früher mal in der Oper. Im Orchester.“
Neben Werner, auf einem Tisch, liegt auch eine Plastiktrompete, daneben ein zerknülltes Notenblatt. Brösel spielt auch oft Trompete. Für eine Sekunde stellt sich Flora Brösel 30 Jahre älter vor, in einem Rollstuhl und mit einer Plastiktrompete. Wir werden alle älter... – auch Clowns. Aber wir denken lange nicht daran. Und ein alter Mensch ist für uns meist einfach ein alter Mensch. Was sein Leben einmal ausgemacht hat, wer er gewesen ist, ... wissen viele Menschen nicht mehr. Dieser Herr war also einmal Orchestermusiker. In der Oper. Und jetzt? Er sitzt da, mit geschlossenen Augen – eine Sperrholzplatte zwischen den Knien.