Es war wieder mal Montag...
und wir, die beiden besten Freundinnen, Madame Blume und Lila Lotte waren gerade fröhlich unterwegs zum Schwesternstützpunkt, als uns Frau Bauer* schon von Weitem mit ihrem Rollstuhl entgegen gefahren kam. Sie hatte schon auf uns gewartet. Und als sie näher kam, sahen wir, dass sie weinte. Unter Schluchzen erfuhren wir, dass ihre Zimmerkollegin im Sterben lag. Frau Bauer war verzweifelt und wünschte sich so sehr, dass wir noch einmal alle vier gemeinsam singen würden: Frau Gruber*, Frau Bauer, Madam Blume und Lila Lotte.
Wir sahen uns kurz an. Wenn der Mensch am Ende seines Sterbeprozesses und damit bereits im Frieden mit dem Abschied vom Leben ist, kann es ein ganz besonderes Geschenk sein, wenn die Clowns noch einmal auf Besuch kommen. Da kann ein ganz besonderer Moment entstehen. Fein und zart begegnet dann der Tod dem Leben und umgekehrt. Außenstehende können diese Begegnung manchmal nicht nachvollziehen, weil sie den Zauber zwischen dem Clown und dem Menschen, der gerade dabei ist, die Welt zu verlassen von außen nicht spüren können. So braucht es ganz viel Feingefühl zu spüren, ob ein Besuch der Clowns in dieser Situation passend ist oder nicht.
Weil Frau Bauer so aufgelöst war und wir spürten wie wichtig es für sie ist, entschlossen wir uns ins Zimmer zu schauen und dort zu entscheiden ob wir bleiben und singen würden oder nicht.
Frau Bauer fuhr schluchzend vor uns her und brachte uns ins gemeinsame Zimmer, in dem Frau Gruber lag. Sie wurde mit Sauerstoff versorgt und zeigte zuerst keine deutliche Reaktion. Die Stimmung war aber friedvoll und ruhig. Wir begrüßten Frau Gruber behutsam und sie blickte uns an und wir fragten, ob wir noch einmal für sie singen dürften und wir bekamen sofort ein schwaches Nicken. Frau Bauer bestand auf das Lied: "In die Berg bin i gern", weil es angeblich das Lieblingslied ihrer Zimmerkollegin war (und ich meine auch, weil wir es sonst auch immer gesungen hatten). Frau Gruber hatte ihren müden Blick auf uns gerichtet. Bei der zweiten Strophe lächelte sie und bei der dritten Strophe hatten wir das Gefühl, sie singt mit. Es war unglaublich berührend und wir sangen noch zwei weitere Lieder, bevor wir uns verabschiedeten. Wir verließen sie mit einem Lächeln auf den Lippen.