Musik - der Schlüssel zur Seele?
Franz steuert zielsicher auf den von Familienmitgliedern umringten Patienten zu, stellt seine Scheibtruhe ab und begrüßt ihn fröhlich. Simon ist seit drei Monaten im Wachkoma, nachdem er bei einem Segelunfall beinahe ertrunken ist. Der erfahrene Clown weiß Bescheid, „Gerade bei Wachkomapatient*innen sind bunte und auffällige Requisiten essentiell. Leichter Körperkontakt ist auch wichtig, um besser in ihr Bewusstsein vorzudringen.“. So tritt Franz nahe an den Patienten ran, berührt ihn sanft am Arm und grinst in breit an. „Hallo Simon, ach‘ bin ich froh, dich hier anzutreffen. Ich brauche dringend deinen Rat“, sagt Franz und schnappt sich seine Trompete. „Ich hab‘ ein neues Lied einstudiert und frage mich, ob das gut klingt. Ich würde nämlich so gerne in den Backstage-Bereich vom Opernball. Als Musiker ist es doch kein Problem in den Backstage-Bereich gelassen zu werden, oder?“ Franz, der genau über die Patient*innen informiert ist, weiß, dass Simons große Leidenschaft die Musik ist, er selber in einer erfolgreichen Band gespielt hat und auf einigen Konzerten im VIP-Bereich ein- und ausging. Franz erhofft sich mit diesen Anspielungen freudige Assoziationen zu erzeugen.
So nimmt Franz ein kleines Stück Papier heraus, ein Notenblatt, hält es direkt vor seine Nase und beginnt den Schneewalzer zu spielen. Zuerst ganz leise und mit der Zeit etwas lauter und selbstbewusster. Mit großen Augen schaut Simon ihn nun direkt an. Franz ist stolz auf das Feedback „Das klingt super oder? Ich habe lange dafür geübt“, erklärt Franz in einer kleinen Atempause und spielt dann weiter. Leise flüstert Simons Sohn seiner Freundin zu: „Gerade schaut Papa wieder wie früher.“