Das zweite Jahr der Pandemie – wie war die Arbeit als ROTE NASE 2021?
Gabi: Es war wie für alle Menschen eine sehr herausfordernde Zeit. Bei den Clowneinsätzen mussten wir oft sehr spontan und flexibel sein.
Doris: Genau, denn es gab von Haus zu Haus, oft sogar von Station zu Station unterschiedliche Richtlinien einzuhalten. Aber im Allgemeinen war es einfach ein großes Privileg, dass wir wieder in die Spitäler und Pflegewohnhäuser kommen durften.
Gabi: JA! Man spürt auch überall die Hoffnung und den großen Wunsch, dass wieder mehr Nähe möglich ist.
Inwiefern hat sich eure künstlerische Tätigkeit verändert?
Gabi: Das Arbeiten mit der Maske ist schon sehr erschwerend, es verändert den gesamten Auftritt, da die Mimik wegfällt.
Doris: Es ist auch anstrengender und man kommt mehr ins Schwitzen.
Gabi: Wir haben aber künstlerisch neue Wege gefunden, wo die Körperarbeit mehr im Vordergrund steht und zum Einsatz kommt.
Doris: Ja, das habe ich hautnah erlebt bei einem schwerhörigen Jungen. Er hat ursprünglich immer Lippen gelesen und das konnte er natürlich wegen unserer Masken nicht mehr. Wir mussten uns also sofort umstellen und unsere Kommunikation hat nonverbal und über den Körper stattgefunden. Wir haben eine Slapstick Einlage mit seinem Namensschild gemacht. Es ist immer hinuntergefallen, ich wollte es wieder anbringen, das ist mir leider nie gelungen und aus diesem Chaos wurde dann ein Riesenspaß.
Gabi: Das Zusammenspiel mit dem Partner/der Partnerin ist noch wichtiger geworden. Denn die Interaktion mit den Patient*innen war ja lange Zeit gar nicht möglich bzw. durfte man auch nichts angreifen etc., da wurde das Clownduo wieder viel wichtiger.
Neben dem Spiel mit der Maske, welche Herausforderungen bei einem Clownbesuch erlebt ihr derzeit noch?
Doris: Gerade in den Pflegewohnheimen merkt man, dass die Senior*innen in den letzten zwei Jahren sehr wenig Kontakt nach außen hatten. Sie möchten uns die Hand geben, möchten mit uns plaudern. Sie haben auch vielfach Hörschwierigkeiten und die Maske und der Abstand, den wir einhalten müssen, machen die Situation nicht einfacher. Die Bewohnner*innen suchen dadurch oft noch mehr Nähe zu uns und es ist schwierig das abzulehnen und immer Distanz zu wahren. Ich habe die Hoffnung, dass wieder mehr Normalität einkehrt und wir wieder wie früher arbeiten können.
Gabi: Die Stimmung ist generell angespannter, man merkt den Leuten an, dass sie durch eine herausfordernde Zeit gehen. Aber sie sind auch froh über die Ablenkung und so braucht es nicht viel, damit die Stimmung besser wird. Oft reichen ein Lied oder eine Geschichte aus – und wenn wir dann den Raum verlassen, merken wir, dass sich etwas zum Positiven verändert hat, das ist dann besonders schön.