Portraitfoto der ehemaligen ROTE NASEN Clownin Barbara Pachl-Eberhart

Lachen? Ich bin so frei!

04.Mai 2016
  • Im Interview mit ROTE NASEN
  • Geschichten aus dem Spital

Lachen? Ich bin so frei!

Der erste Sonntag im Mai: Eigentlich hätte Madan Kataria sich keinen besseren Termin aussuchen können. Finden Sie nicht auch? Ach so, Sie wissen ja noch gar nicht, worum es geht. Das macht aber nichts - Sie finden es bestimmt gleich heraus.

Es geht nämlich fast von allein. Sie müssen, zum Beispiel, nur ein paar Mal "Mai" sagen. Zuerst ganz leise, und dann, wenn Sie möchten, ein bisschen lauter, auf jeden Fall so, dass sich die Lippen bewegen. Genau. Sehr gut! Und schon ist es passiert. Schon liegt es in Ihrem Gesicht, schon spielt es - höchstwahrscheinlich - um Ihren Mund. Die Mundwinkel können ja gar nicht anders, als beim Wörtchen "Mai" nach oben zu wandern. Und wenn Sie nicht zufällig gerade vorhin einen Anruf von Ihrem Finanzamt oder einen Brief vom Amt für Verkehrsstrafen bekommen haben, dann stehen die Chancen gut, dass die Mundwinkel freiwillig da bleiben, wo sie sind. Komm, lieber Mai. Wir sprechen Dich an und lächeln. Das Lachen kommt, sobald wir an dich denken.

Kein Wunder also, dass der erste Sonntag im Mai vom Lachyogi-Pionier Madan Kataria 1998 zum internationalen Weltlachtag erklärt wurde. Natürlich ist dieser Tag nicht nur für die Yogis ein Feiertag. Auch wir Clowns haben gar nichts dagegen, dass das Lachen endlich einen Ehrenplatz im Kalender bekommen hat. Noch lieber ist es uns natürlich, wenn es aus den Kalendern heraus mitten in die Gesichter der Menschen hinein schlüpft. Und am allerliebsten ist es uns, wenn es da bleibt, auch noch am Montag, am Dienstag, an jedem Tag in diesem schönen Mai - und von uns aus auch bis Juni oder am besten gleich übers ganze kommende Jahr.

"Lachen ist ein Zeichen des Weltfriedens. Lachen erzeugt ein Bewusstsein von Freundschaft und Brüderlichkeit", sagen die Lachyogis. Lachen ist gesund, Lachen steckt an, Lachen verändert alles, manchmal sogar die ganze Welt - das wissen auch wir, die Clowns. Das Lachen ist unser Beruf, unsere Medizin, unsere Währung, unsere Lieblingsmusik. Und: Es ist keine Selbstverständlichkeit. Das lernen wir jeden Tag aufs Neue. Wir können es nicht erzwingen und nicht verordnen. Wenn ein Lachen ins Gesicht eines Menschen huscht, dann bedeutet das für uns: Ein kleines Wunder ist geschehen.

Am 4. Mai um 14:00 sollen wir, dürfen wir, werden wir lachen, gemeinsam mit zehntausenden Yogis und vielen anderen Menschen auf der Welt. Auch ich mache - Verzeihung: Auch ich lache mit. Vielleicht wird unser Lachen sogar ein bisschen ansteckend sein. Doch wenn um 14:00 meine Stimme zu glucksen und mein Bauch zu hüpfen beginnt, werde ich wissen: Ein paar meiner Kollegen betreten gerade jetzt, um diese Zeit, ein Krankenhaus. Und wenn sie ins erste Zimmer eintreten und einem fiebernden Kind in die Augen schauen, können sie sich dabei nicht auf den Weltlachtag berufen. Sie können, wie immer, nichts tun als da zu sein, mit all ihrer Herzlichkeit, mit vorsichtiger Zauberei und sensiblem Geschick. Vielleicht gelingt es ihnen, ein Lachen herbeizuzaubern. Vielleicht. Es gibt keine Garantie. Doch wenn es kommt, ist dieses Lachen Goldes wert, denn es kommt ganz von selbst, zu seiner Zeit, in seinem Tempo, von innen heraus. Es wächst, es gluckert, und schließlich quietscht es vielleicht sogar vor Glück. Wenn alles gut geht, ist es kaum mehr zu stoppen.

Unser Lachen.

Es hält sich an keine Regeln und an kein Gesetz. Wenn es wirklich kommen will, bahnt es sich seinen Weg, allen Verboten und Vorschriften zum Trotz. Und wenn es einmal nicht kommen will, haben wir keine Chance, es zu erzwingen. Lachen lässt sich nicht verordnen und nicht verbiegen. Das Lachen ist eine sehr starke, eigensinnige Persönlichkeit, die in jedem von uns wohnt - ihr Ausguck liegt in unseren Mundwinkeln, und ihre Wohnung hat sie mitten in unserem Bauch. Wenn wir lachen, spüren wir, dass wir ganz und gar wir selbst sind. Freiwillig, persönlich, frei.

Warum ist Lachen so gesund?

Ich glaube, vor allem deshalb: Weil es gesund ist, man selbst zu sein. Zu seiner Zeit, in seinem Tempo, in seiner ganzen Kraft. Lachen Sie mit? Ganz wie Sie wollen. Genau das ist ja das Schöne daran.

Ich jedenfalls freue mich auf den nächsten fröhlichen Augenblick, den wir gemeinsam erleben.

Fürs erste wünsche ich Ihnen: Einen schönen Mai (bitte laut lesen und gut artikulieren).

Von Herzen Ihre,

Barbara Pachl-Eberhart

Clowndoctor im Außendienst.