Zwei Clowns stehen sich gegenüber und klatschen ein

Emergency Smile Austria

15.Juni 2016
  • Im Interview mit ROTE NASEN

Christophe Dumalin alias Gottlieb Äbehnfaltz und Daniel Rüb alias Reimmund über ihre Einsätze bei Flüchtlingen

ROTE NASEN Clowns sind regelmäßig bei Menschen zu Gast, die alles verloren haben und nach langer Flucht nach Österreich gekommen sind. Zwei Clowns, die das Programm "Emergency Smile" von Beginn an begleitet haben, erzählen, wie diese Einsätze ablaufen und was sie den besuchten Menschen bringen.

Clown und Gruppe von Kindern werfen bunte Tücher in die Luft

Das Programm "Emergency Smile" wurde von ROTE NASEN aufgebaut, um der hohen Nachfrage an Clownbesuchen bei Flüchtlingen gerecht zu werden. Wie habt ihr den Start des Projekts erlebt?

Daniel Rüb: Es ging uns wohl wie allen im Land, die sich engagierten - man war nicht darauf vorbereitet. Unsere ersten Besuche auf den Bahnhöfen und bei den großen Aufnahmezentren waren sehr spannend. Es war erstaunlich, wie schnell wir in einen positiven Kontakt mit den Menschen getreten sind und viel Freude bringen konnten.

Christophe Dumalin: Gemeinsam mit den internationalen ROTE NASEN KollegInnen gab es einen umfassenden Austausch. In Workshops mit dem Verein Hemayat lernten wir Clowns mehr über den Umgang mit traumatisierten Menschen. Dann machten wir uns auf den Weg und haben gleich gemerkt, wie hoch der Bedarf an Lebensfreude ist und, dass unsere Besuche sehr geschätzt werden.

Zwei Clowns machen Seifenblasen, Kleinkind lacht und ist begeistert

Wie bereitet ihr euch auf einen Besuch bei Flüchtlingen vor? Worin liegt der Unterschied zu einem Einsatz im Spital?

Daniel Rüb: Da dieses Arbeitsfeld für uns Clowns doch noch sehr neu ist, nehmen wir uns direkt vor den Einsätzen viel Zeit, um uns darauf vorzubereiten und abzustimmen. Wir überlegen, was bei den vorausgegangen Besuchen gut lief oder was man evtl. vermeiden sollte. In einem Spital besuchen wir jedes kranke Kind extra im Zimmer. Bei einem "Emergency Smile" - Einsatz treffen wir aber oft gleichzeitig auf 70 bis 100 Menschen, die meisten davon sind Kinder, und es geht überaus lebhaft zu. Das erfordert ein anderes Spiel und eine anderes Zusammenspiel.

Christophe Dumalin: Außerdem ist der große Unterschied, dass die Leute nicht krank sind, sondern aus prekären Situationen kommen und teilweise schwer traumatisiert sind. Sie haben alles verloren und wissen nicht, wo sie hinkommen oder bleiben können. Deshalb haben wir die Zutaten unserer Arbeit frisch gemixt und ein neues "Rezept" für unser neues Aufgabengebiet kreiert. Die Flüchtlinge, die wir besuchen, brauchen oft eine Möglichkeit, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen und ihre Energie auszuleben, dafür schaffen wir bei unseren Einsätzen ein fröhliches und magisches Umfeld.

Clown und kleiner Junge tanzen, im Hintergrund sieht man weitere tanzende Leute

Was ist das Besondere an einem Emergency Smile Einsatz?

Daniel Rüb: Ganz besonders ist, dass hier ein großes Kennenlernen stattfindet. Die Clowns sind auf die BewohnerInnen in den Unterkünften ebenso neugierig wie diese umgekehrt auf die Clowns. Man begegnet einander auf Augenhöhe. Je regelmäßiger wir eine Unterkunft besuchen, umso vertrauter wird unser Umgang mit den Menschen dort. Dieser Umgang ist von großem wechselseitigem Respekt gekennzeichnet. Es ist schön zu bemerken, wenn unser Humor dort eine lustige und friedliche Atmosphäre schaffen kann.

Christophe Dumalin: Was die Menschen mit uns erleben, sind oft neue Bilder nach einer langen Zeit von Stress und Angst. Der Clown ist immer im Hier und Jetzt. Der Clown urteilt nicht, der Clown spielt, der Clown nimmt die Leute wie sie sind, egal wie schwierig die Situation ist. Diese Beschwerdefreiheit wirkt ansteckend.

Clown und zwei kleine Kinder lachen gemeinsam, Mütter daneben lachen auch

Was möchtet ihr mit einem Clownbesuch bei Flüchtlingen hinterlassen?

Daniel Rüb: Ein positives Gefühl, das im besten Fall nach unserem Abschied noch weiterschwingt.

Christophe Dumalin: Leichtigkeit, Fantasie und schöne Bilder, die in Erinnerung bleiben.

Wie gelingt das am besten?

Daniel Rüb: Durch die professionellen, künstlerischen Fähigkeiten der Clowns, durch ehrliches und aufrichtiges Auftreten, durch einen liebevollen Umgang. Der Clown ist zwar kein Therapeut, kann aber dabei helfen, dass positive Gefühle wieder erlebbar werden. Er schafft eine humorvolle Pause und schafft Raum um durchzuschnaufen.

Gruppe von Kindern, einer davon wirft ein rotes Tuch

Das Emergency Smile Programm von ROTE NASEN ist für mich...