Der kleine Max und die kleine Julia fiebern schon der Aufführung entgegen. Sarah ist sich noch nicht sicher, ob sie daran teilnehmen kann, weil sie gestern an der Hüfte operiert wurde und noch ziemliche Schmerzen hat. Aber dann will sie sich diese Gelegenheit doch nicht entgehen lassen. Anna wurde zwar schon entlassen, aber sie möchte noch nicht nach Hause und unbedingt mitmachen. Denn der „Circus Patientus" ist für alle etwas ganz Besonderes, etwas, worauf sie sich schon seit Tagen freuen und wofür sie fleißig geübt haben. So sind die letzten Tage im Spital trotz Schmerzen für alle schnell vergangen.
Die Kinder werden im Orthopädischen Spital Speising in die Heilstättenschule gebracht, die sie schon sehr gut kennen. Aber heute sieht der Raum ganz anders aus, da gibt es eine Bühne und Sessel für die Zuschauer. Es liegen auch schon viele lustige, bunte Kostüme bereit und jedes Kind darf sich, falls es möchte, verkleiden. Die Kunststücke werden noch ein letztes Mal geprobt, dann kommt der große Augenblick.
Die Besucherreihen füllen sich rasch, die neugierigen Eltern, Geschwister und Großeltern warten gespannt auf die Darbietungen der kleinen Künstlerinnen und Künstler. Die Geschichte, die heute am Programm steht, wurde speziell für Kinder entwickelt, die erst vor kurzem operiert wurden und sich nicht zu viel bewegen dürfen: „Prof. Miraculos und die Kunst des Träumens".
Professor Miraculos hat eine Tochter. Heute hat Anna diese Rolle übernommen. Sie möchte ihm von ihrem tollen Traum erzählen, doch ihr Vater erwidert nur: „Träume sind Schäume, du weißt doch, meine liebe Tochter, dass ich nicht an Träume glaube! Für mich sind nur Zahlen und Fakten wichtig." Kaum hat er das gesagt, hört der Professor zarte, wundersame Musik, Seifenblasen fliegen durch die Luft – und er findet sich in Annas Traum wieder. Da sieht er plötzlich viele kleine Künstlerinnen und Künstler, die ihn mit ihren Darbietungen überraschen.
Sarah steckt ein lila Tuch in den leeren Zauberbeutel eines Zauberlehrlings und zieht nach einem tollen Zauberspruch ein blaues heraus. Die Zuschauer wollen gleich überprüfen, ob sich das lila Tuch noch im Beutel befindet … aber der Beutel ist leer. „Da bin ich aber blaff", staunt Professor Miraculos. „Das heißt doch baff, Papi", korrigiert ihn Anna. „Liebe Tochter, merke dir, dein Papi hat immer recht!", antwortet der Professor. Beide schmunzeln. Dann wird weitergezaubert – aus drei einzelnen kurzen Schnüren entsteht eine lange. Alle Zuschauer klatschen begeistert.
Die Kinder lassen auch rote Nasen verschwinden. Wie haben sie das wohl gemacht? Jetzt ist Teller Jonglieren an der Reihe. Alle Kinder bekommen ein Staberl, die Teller werden daraufgesetzt und müssen gleich gedreht werden, damit sie nicht hinunterfallen. Die kleine Julia plagt sich sehr, schaut ganz konzentriert zu ihrem rosa Teller hinauf … ups, jetzt liegt er doch auf ihrer Bettdecke … aber sie gibt nicht auf.
Der zweite Versuch gelingt, sie strahlt über das ganze Gesicht und erntet tosenden Applaus! Im Nebenbett versucht auch der kleine Max sein Glück … es klappt! Dann beweist er allen, dass er der stärkste Mann der Welt ist: Er stemmt Gewichte, die sonst niemand heben kann. Seine Oma, seine Geschwister und die Lehrerinnen klatschen begeistert. Plötzlich sieht Professor Miraculos wieder Seifenblasen und hört wundersame Musik … Er erwacht aus dem Traum – und erinnert sich auf einmal daran, dass auch er früher geträumt und sogar ein Zauberstück beherrscht hat: sein legendäres Ohrenputzen-Zauberstück. Sein rotes Tuch verschwindet in Sarahs linkem Ohr, aus dem rechten zieht er es wieder heraus. Jetzt hat auch er Applaus verdient.
Es war eine tolle Aufführung! Die kleinen Künstlerinnen und Künstler können mit Recht stolz auf sich sein! Sarah strahlt: Sie hat am Vormittag völlig auf ihre Schmerzen vergessen!



Die Namen aller Kinder wurden zum Persönlichkeitsschutz geändert.
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